Der Wal, die Phase der Anpassung oder vom Traum der 13. Krieger zu sein! :-)

Vorab ein kleiner Nachtrag. Den Eintrag habe ich eigentlich gestern geschrieben, konnte ihn aber nicht veröffentlichen, da ich mein Passwort vergessen hatte. Kein Gutes Zeichen, was meine Blogger Aktivitäten angeht.

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Sonntag, der Tag ist grau und regnerisch! Eigentlich der perfekte Tag für einen Bridget Jones Film und mindestens eine Tafel Schokolade, allerdings sitze ich hier und lasse, zum gefühlt 30 Mal, die Tribute von Panem laufen. Es mag seltsam klingen, aber irgendwie gibt mir das ein Gefühl von Zuhause hier in der Fremde.

Heute, jetzt gerade in diesem Moment, habe ich tatsächlich das erste Mal Zeit, die ersten Wochen Rumänien Revue passieren zu lassen und in Ruhe darüber nachzudenken wie es mir geht. Bis jetzt ist mir die Zeit wie Wasser durch die Finger gelaufen. Ich wache Morgens auf und bevor mir richtig klar wird , was überhaupt passiert, liege ich schon wieder erschöpft im Bett.
Wo stehe ich also gerade und wie geht es mir dabei? Jetzt gerade geht es mir nicht so gut! Ähnlich wie ein Kleinkind nach einem Zuckerrausch, fühle auch ich mich ziemlich knatschig, nur das mein Rausch nicht von Schokolade, sondern von der Anwesenheit meines Liebsten, ausgelöst wurde. Leider ist diese berauschende Zeit immer viel zu schnell vorbei, denn die Stunden von Freitagabend bis Sonntagmorgen scheinen nur ein paar Wimpernschläge lang zu dauern. Die direkten Flugverbindungen Bukarest – Köln oder Düsseldorf sind recht übersichtlich, so ergibt es sich, das der Liebste schon um 10 Uhr am Sonntagmorgen abgeholt wird, um die Heimreise anzutreten.
Das tut weh und ist manchmal ganz schön hart, aber je länger ich heute darüber nachgedacht habe, desto mehr kann ich dem ganzen auch etwas positives abgewinnen. Es tut irgendwie auch gut, mal wieder Zeit für mich alleine zu haben, denn das hatte ich jetzt schon länger nicht mehr. Das klingt jetzt dramatischer als es ist, aber in der Woche bin ich abends so platt, das meine Energie gerade dafür reicht für ein zwei kurze Kommentare auf Facebook abzugeben und einen Gute Nacht Telefonat mit dem Liebsten zu führen. Für Reflektion und Analyse bleibt nichts übrig.
Ich stehe zu meiner ersten begeisterten Aussage, das mir Rumänien bzw. Bukarest sehr gut gefällt. Wahrscheinlich sogar noch mehr, als vor vier Wochen. Das bedeutet aber nicht, dass mir hier alles leicht fällt. Rumänisch ist grundsätzlich eine Sprache in die man sich gut reinhören kann, aber das hilft einem nicht, wenn man in einem Supermarkt steht und versucht Fettarme Milch zu kaufen. Ja, sicher, die 1,5 % kann ich auch hier erkennen, aber andere Länder andere Sitten, und so ist der Rumäne an sich, ein großer Freund von Milchprodukten, was unter anderem auch ein Unterschiedliches Angebot mit sich bringt. So gibt es hier z.B. eine große Auswahl an Buttermilch und Kefir (wo genau besteht eigentlich der Unterschied?) und wie ich Euch jetzt aus eigener Erfahrung sagen kann, ist Kefir im Kaffee, sowohl optisch wie auch geschmacklich, eine ziemlich Eklige Sache.
Allerdings ist die Sprachbarriere tatsächlich mein kleineres Problem. Ich weiß nicht ob ich es schon mal erwähnt habe, aber ich habe außerhalb meines Büros, ich meine so als private Debby, eine erschreckend geringe Konzentrationsspanne, ganz besonders in fremden Ländern und fremden Supermärkten. Es gibt zwei Formen von Geschäften, die mich Zeit und Raum vergessen, und jeglichen Plan, denn ich beim Betreten des Ladens vielleicht noch im Kopf hatte, sich in Rauch auflösen lassen. Bücherläden und alles wo man Essen kaufen kann.

Das ist ungefähr ein 10tel eines großen Supermarktes, denn genau wie die Amis, können sich auch die Rumänen für große Einkaufsmöglichkeiten begeistern. ich bin davon total gestresst!

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Letzteres ist jetzt wahrscheinlich nicht so erstaunlich bzw. erklärt unter anderem auch, warum ich überhauptmal ein Wal geworden bin. Ich liebe Lebensmittel und besonders gerne probiere ich neue Sachen aus. In Amerika musste der Liebste mich schon ein oder zweimal aus einem Supermarkt rausbringen, weil ich schlicht und ergreifen, von dem Angebot überfordert war. Und da konnte ich wenigstens alles lesen und der Liebste war bei mir. Könnt Ihr Euch also annähernd vorstellen, wie es mir in einem riesigen (einige können sich durchaus mit amerikanischen Vorbildern messen lassen) rumänischen Supermärkten geht?

48 Kassen… ich vermisse Tante Emma Läden, wobei mir damit hier auch nicht geholfen wäre.

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Und hier bin ich meistens alleine Unterwegs, damit meine ich sowohl den nicht anwesenden Liebsten, wie auch die nicht anwesende Stimme der Vernunft. Nein, das bedeutet nicht, dass ich mit Taschen voller Schokolade vom Einkaufen zurückkomme, obwohl es eindeutig eine Herausforderung ist, keine mitzunehmen. Der Rumäne an sich scheint nämlich keine Furcht vor Zuckererkrankungen zu kennen und so ist in meinem Stammsupermarkt die Abteilung mit Süßigkeiten und Chips Produkten, so groß wieder restliche Supermarkt zusammen. Der Wahrheit die ehre gebend, komme ich meistens mit mehr oder weniger leeren Taschen nach Hause bzw. nur mit den Dingen die ich wirklich überlebensnotwendig brauche, was in meinem Fall Coke Zero, Brot, Tomaten, Milch und Käse wären. Das ist jetzt nicht unbedingt ungesund, aber auf Dauer auch eine recht unbefriedigende Ernährung. Vor allem aber, habe ich auch in Woche vier, noch immer nicht alles für meinen Rumänischen Haushalt zusammen. So fehlten mir z.B. immer noch solche Kleinigkeiten wie eine Schere oder eine Salatschüssel. So haben der Liebste und ich, bewaffnet mit einer gut geplanten Einkaufsliste, dann gestern mal wieder das Thema Einkaufszentrum/Supermarkt, in Angriff genommen. Lange Rede kurzer Sinn, nach dem unser Einkaufswagen zwar voll war, aber immer noch nichts von der Liste abgearbeitet war, übernahm der Liebste das Kommando, wies mich an, meine Hand an seinen Po zu legen ( was glaube ich nicht ganz uneigennützig gedacht war), und ihm einfach zu folgen. So kann ich mit Stolz verkünden, dass meine Küche bis auf Eierbecher und schöne Müslischalen, jetzt wirklich langsam Komplett. Sogar ordentliche Lebensmittel nenne ich jetzt mein eigen.
Aber egal wie vernünftig ich einkaufe, das ändert nichts an der Tatsache, dass mein Ehrgeiz sich im Moment darauf beschränkt, mein Gewicht zu halten. Ehrlich, wie schaffen andere es, am Leben teilzunehmen und sich sozial zu integrieren, einen Job zu 100% zu erledigen und gleichzeitig daran zu arbeiten, schlank, fit und wenn möglich auch schön zu sein??? Wo soll man die Energie hernehmen??
Ich habe zugesagt sechs Monate in Bukarest zu arbeiten und zu leben und das möchte ich auch, ich meine hier wirklich leben. Dazu gehört aber auch dass ich mich auf meine Mitmenschen und Kollegen einlasse. Und ich habe wundervolle Kollegen, die warmherzig, großzügig und sehr Gastfreundlich sind. Natürlich gibt es eine Menge rumänische Gerichte die ich nicht kenne, und die Gattin eines Kollegen kocht immer in solchen Mengen, das er das halbe Büro mit füttert. Dieses gemeinsame Mittagessen ist kulinarisch spannend, wenn auch wahrscheinlich nicht immer Ernährungsfreundlich für mich, aber vor allem ist es Zwischenmenschlich wunderschön. Es wird viel gelacht, ich lerne so einiges über Land und Leute. Vor allem werden aber so aus Kollegen, so etwas Ähnliches wie Freunde und das trägt ungeheuer zu einem angenehmen Arbeitsklima bei. Ich schaffe es nicht, alles gleichzeitig zu tun. Ich kann mich nicht in einem neuen Land akklimatisieren, ein Beziehung mit meinen Kollegen aufbauen, die Aufgaben erfüllen die mit meinem Job einhergehen und gleichzeitig vorbildlich essen und Sport machen. Irgendwas scheint da immer auf der Strecke zu bleiben. Vielleicht wird das wieder anders, wenn der Frühling kommt, aber im Moment gehe ich im Dunkeln ins Büro und wenn ich es verlasse ist es ebenfalls Dunkel. Danach will ich einfach nur noch ins Bett.
Wobei mir meine Arbeit, und es ist wirklich viel Arbeit, gerade ungeheuren Spaß macht. Der Liebste macht sich natürlich, ob der langen Arbeitstage, Sorgen. Allerdings sagt er auch, dass ich das letzte Mal mit so viel Begeisterung über meinen Job gesprochen habe, als ich in Hamburg das Musical Tarzan, mit auf die Bühne gebracht habe. Und in der Tat, da war ich das letzte Mal so befriedigt und positiv aufgeregt. Ich mag Arbeit immer dann besonders gerne, wenn sie einen wirklichen Unterschied macht. Wenn man z.B. nach einer Karnevalsparty aufräumt, dann sieht man anschließend was man getan hat. Und so ähnlich ist das hier gerade auch, nur mit dem angenehmen Zusatz, dass ich hier auch sowas ähnliches wie eine Lehrerin bin. Und ich habe ehrgeizige und engagierte Schüler, die richtig Bock haben etwas Neues zu lernen und dem entsprechend mitarbeiten. Es ist ein großartiges Gefühl wenn man jemandem etwas beibringt und sehen kann, wenn es dann Klick in deren Köpfen macht. Ich hatte hier in den letzten Wochen schon mehr als eine Gänsehaut. Es ist schon eine Herausforderung wenn zwei unterschiedliche Sprachen und Kulturen aufeinander treffen und eine dritte Sprach verwenden müssen um miteinander zu kommunizieren.
Kennt jemand von Euch den Film “Der 13te Krieger“ mit Antonio Banderas? Antonio spielt einen Poet, der eine der Frauen seines Kalifen vernascht, und zur Strafe aus Bagdad verbannt wird und als Diplomat in die Länder des Nordens reisen muss. Bei den Wikingern angekommen, wird er durch eine Prophezeiung genötigt, als 13ter Krieger mit in die Schlacht gegen ein sehr grausames Volk zu ziehen. Auf jeden Fall geht er mit einer Gruppe Männer auf die Reise, deren Sprache er weder versteht noch spricht und sie natürlich auch nicht die Seine. Wochenlang sind sie auf reisen und immer wenn sie Reden, hört der Poet nur „Blablabla etc“, aber Stück für Stück schleichen sich die ersten verständlichen Wörter ein. Eines Abends, als sie gemeinsam am Lagerfeuer sitzen, machen die Wikinger sich über den Poeten lustig und er steht auf und beleidigt sie erstklassig in Ihrer eigenen Sprache zurück. Ich träume davon, der 13te zu sein. Nicht das ich befürchten würde, das meine Kollegen mich beleidigen, zumindest glaube ich das nicht. Aber als kommunikativer Mensch, frustriert mich die Sprachbarriere, zumal ich die Sprache, je länger ich sie höre, wirklich schön finde. Wenn meine Kollegen untereinander scherzen und sich gegenseitig aufziehen, denke ich oft wie poetisch rumänisch klingt. Ein schöner Singsang, der mich schon längst nicht mehr verwirrt, sondern eher eine Art angenehme Hintergrundmusik, geworden ist.

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Zusammengefasst würde ich sagen, dass mein Kopf manchmal vor lauter neuen Eindrücken schier zu platzen scheint. Ich mich aber zwischen verwirrenden Speisen, tief religiösen, sich zwischendurch bekreuzigenden Taxifahrern, Kollegen mit schwarzem Humor, wohler fühle als ich je zu hoffen gewagt hätte. Man könnte das Stadtbild von Bukarest als ärmlich und grau beschreiben, aber ich sehe so viel mehr, nämlich die unfassbar schönen Bauten, die Mischung der Architektur die so viel Geschichte beinhaltet. Pracht und Prunkt einer überdauerten Ära der Diktatur und mitten drin die Moderne Jugend, die noch zwischen Tradition und Fortschritt hin und her gerissen sind. Eine spannende Energie vibriert in Bukarest. Ich freue mich auf den Frühling, wenn die Tage länger hell bleiben und die Bäume in den kleinen Parks, die es überall in der Stadt gibt, endlich anfangen zu blühen. Und selbst jetzt, wo die Tage oft trüb sind und dichter Nebel immer wieder über der ganzen Stadt liegt, empfinde ich es romantisch melancholisch. Ich liebe es, wenn ich morgens mit dem Taxi ins Büro fahre, dabei Musik im Ohr haben und mir nur die Straßen anschauen kann, es gibt meiner Phantasie unheimlich viel Stoff zum Träumen, manchmal fühlt es sich wie eine Zeitreise an.
Die nächste Woche wird es besonders in sich haben und ich muss jetzt mal was kochen, denn morgen will ich mal meine Kollegen verwöhnen, schließlich ist es immer ein nehmen und ein geben…;-)

Ja, das mit dem Kochen war gestern so eine Sache…. Fast hätte ich eine Wohnung abgefackelt bzw. habe ich sie in eine Raucherkammer verwandelt… ich vermute das mein Hintern, trotz ausgibieger Dusche, immer noch wie ein Räucherspeck duftet. Mit Gas zu kochen, ist wirklich eine Frage des richtigen Timings, denn es geht verdammt schnell. Ich will grundsätzlich nur soviel sagen, heute werden die Kollegen sicher nicht in den Genuss kommen, etwas von mit gekochtes zu essen. Hey, aber wenigtens steht die Wohnung noch und ich bin unverletzt… das ist ja auch schon mal was wert… seuftz

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