Der Wal, der Selbstbetrug oder welche Chance hat eine ON/OFF Beziehung?

Ich kann die Stimme in meinem Kopf wieder hören! Ok, das klingt jetzt etwas verrückt, aber ich meine auch nicht Gottes Stimme der mir, wie ins Jeanne d’Arc, Befielt in den Heiligen Krieg zu ziehen, sondern ich meine damit das ich meine eigenen Gedanken wieder hören kann. Die letzten Monate waren, vorsichtig formuliert aufwühlend und anstrengend, eigentlich war das ganze Jahr überdurchschnittlich anstrengend und dominiert von Krankheit und Tod.

Je älter ich werde, desto mehr merke ich das an dem Spruch „life is what happens while you make plans“ viel wahres dran ist, darum zitiere ich ihn auch immer öfter. Ich hatte mir dieses Jahr vieles für mich selbst vorgenommen, weiter abnehmen, mehr schreiben, sportlich bleiben und so weiter und weiter. Aber das Leben hat nun mal eine gewisse Eigendynamik und wir alle sind viel mehr fremdbestimmt als uns das wahrscheinlich lieb ist, mir geht es da auch nicht anders.

 

Der Grund warum ich endlich dazu komme etwas für mich zu tun, nämlich mich hinzusetzten und in Ruhe zu schreiben, ist das ich mich mit dem Liebsten im Urlaub befinde, das oder er hat uns heimlich in Florida zur Ruhe gesetzt. Schon auf dem Flug konnte man erahnen, das wir uns nicht in der uns bekannten klassischen Florida/Miami Gesellschaft befinden, denn unsere Anwesenheit im Flieger nach Ford Mayers hat den Altersdurchschnitt um mindestens 10 Jahre gesenkt. Ich habe, seit dem ich im Winter auf Gran Canaria gedreht habe, nicht mehr soviel Weißhaarige Menschen auf einem Haufen gesehen. Auch unser Hotel, wenn auch wirklich schön, scheint so etwas wie ein Altersheim zu sein, zumindest gehe ich hier noch als junges Hühnchen durch, ich hab bis jetzt nur 4 Freuen gesehen, die Jünger sind als ich und davon waren zwei ca. 16 also eigentlich noch Kinder.

 

Aber der Liebste hat beschlossen, das wir unseren Urlaub mal mit einer Ruhephase beginnen, was auch gut so ist, da wir beide einfach absolut durch sind.

Die ersten zwei Tage haben wir primär mit schlafen verbracht, aber seit gestern kommen wir langsam ins Leben zurück. Die dunklen Augenränder des liebsten ziehen sich langsam zurück und mein stetig rasender Puls beruhigt sich von Tag zu Tag mehr.

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Es ist erstaunlich wie gut man darin ist, Fehler aus denen man gelernt haben sollte und zumindest Theoretisch auch gelernt hat, trotzdem wiederholen kann. Ich bekomme es wieder mal nicht hin meine Prioritäten zu meinen Gunsten zu setzten. Wieder dominiert die Arbeit mein Leben und wieder mal tut mir das nicht gut!

Es gibt diese Menschen die anscheinend spielend alles in Ihrem Leben auf die Reihe bekommen. Wie machen die das? Ich meine die Frage ganz ernst, wie schafft man es ein liebendes und gut funktionierendes Familienmitglied, liebende Ehefrau, gute Freundin und erfolgreiche Karrierefrau und Bloggerin zu sein? Ich habe immer das Gefühl das ich mindestens zwei von fünf Punkten sträflich vernachlässige.

Ich frage mich oft ob ich dieses Problem auch hätte, wenn ich einen Beruf in einer „normalen“ Branche hätte. Es ist nämlich nicht so das ich die riesige Ausnahme bin, nein fast alle meine Kollegen arbeiten zu viel und mit einem geradezu ungesunden Engagement. Wenn man dann noch bedenkt das wir Fernsehunterhaltung machen und nicht an der Heilung von AIDS oder Krebs arbeiten, dann hat das ganze schon fast lächerliche Züge.

Manchmal fühle ich mich wie der Terminator, der vor seinem Auge unaufhörlich ratternde Informationslisten hat, nur das es in meinem Kopf „To Do Listen“ sind. Es scheint nie die Zeit zu geben das geschehene zu reflektieren, keine Zeit zum nachdenken. Wenn ich diese Zeit nicht habe, dann kann ich nicht schreiben, den meine Blogs entstehen immer in meinem Kopf, lange bevor ich sie aufschreibe.

Jetzt ist dieser Blog Freund und Feind zugleich, denn ich fühle mich immer mehr wie eine Betrügerin die Euch unter falschen Versprechungen hier her gelockt hat und jetzt nicht liefert was sie angekündigt hat. Nicht nur das ich nichts zum Thema Diäten liefere, nein ich schreibe einfach überhaupt nicht mehr. Weil ich nicht weiß worüber ich schreiben soll. Ich kann über mein berufliches Leben, welches mich aber im Moment dominiert, so gut wie nichts schreiben, weil ich vertraglich zum Schweigen verpflichtet bin. Ich fühle mich wie im Kreisverkehr am Place Charles de Gaulle, aus dem man nie mehr rausfindet oder kurz gesagt, wie in einem Teufelskreis gefangen.

Trotzdem kann ich das hier nicht los lassen, nicht aufgeben, denn dieser Blog ist trotz allem mein Rettungsanker, mein Versteck in dunklen Momenten und auch mein ganz persönlicher Therapeut.

Heute morgen habe ich auf dem Balkon unseres Hotel Appartement gesessen und der Morgendämmerung bei ihrem Kunstwerk zugesehen und mir vorgestellt wie schön es sein muss, wenn man sich an so einem Ort an seinen Computer setzten könnte und die Worte und Geschichten nur so aus einem heraus in die Tastatur rein fließen.

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Der liebe Gott oder auch meine Erziehung haben mir ein wunderbares Talent mitgegeben, nämlich das ich mit Worten Bilder malen kann, leider haben sie vergessen mir Fantasie mit dazuzugeben.

Ich kann Euch gar nicht sagen wie schrecklich das ist, seit dem ich angefangen habe für die „Öffentlichkeit“ zu schreiben, wurde mir gefühlt hundert mal gesagt das ich eine Buch schreiben sollte, egal ob Sachbuch oder Roman, Hauptsache etwas wo man beim lesen Spaß an meinen Formulierungen, oder wie ich es lieber nenne, an meinen Bilder haben kann. Aber mein Manko ist, das ich nur über Dinge schreiben kann, die ich erlebe oder über die ich mir zumindest sehr ernsthaft Gedanken gemacht habe. Schwierig wenn ich über das was ich erlebe nicht wirklich schreiben darf.

Das nenne ich Ironie des Schicksaals, ein Schreiber der nicht weiß worüber er schreiben soll. Kein Wunder das so viele Autoren dem Alkohol verfallen, denn das ist ein ziemlich deprimierendes Gefühl.

Wenn ich ehrlich bin, so hat mich im Moment der Ehrgeiz verlassen mein Wal zum Aal Projekt voranzutreiben, was wahrscheinlich daran liegt das ich mich in meinem Körper und mit mir selbst gerade sehr wohl fühle. Ja, ich habe keine 80 Kilo abgenommen, sondern nur 21 Kilo, die aber anscheinend für immer. Meine Ernährung habe ich es ohne zu merken langfristig auf ein ausgewogenes Level gebracht und dort scheint es, ebenfalls langfristig, zu bleiben. Schockladenorgien gehören längst der Vergangenheit an und die Portionen die ich einst mit Leichtigkeit vertilgt habe, stellen jetzt eine Herausforderung dar, die ich weder bewältigen kann noch will. Insofern hat sich das ganze wirklich gelohnt. Müsste ich noch mehr abnehmen? Ja, auf jeden Fall den auch 137 Kilo sind mehr als Zuviel, aber um sich aufzuraffen und so was hin zu bekommen braucht man Leidensdruck und den habe ich im Moment nicht.

Ich finde den Weg in meinen Drive nicht zurück, irgendwie habe ich das Gefühl das mich das Leben selbst ausbremst. Das macht mir Sorgen, nicht wegen meinem Gewicht, sondern weil Sport auch meine „ME TIME“ gewesen ist. Aber es scheint immer etwas zu geben was ich unbedingt machen muss, was wichtiger als alles andere ist. Ich weiß das WW Seiten auf FB ermutigen und inspirieren sollten, aber wenn ich dieser Tage dort die Erfolgsgeschichten anderer Menschen lese, führt es mir nur unangenehm vor Augen, wie wenig ich mich und mein Leben im Griff habe. Das ist schließlich nicht immer nur eine Frage von Abnehmen und Co, sondern vielmehr von Konsequenz und Durchhaltevermögen und dieser Blog ist der Zeitzeuge dessen, das ich hier eindeutig versage!

Bin ich ein hoffnungsloser Fall? Baue ich mir meine eigenen Ausreden? Lüge ich mir selbst in die Tasche? Ich weiß es nicht mehr!

Ich befürchte das ich jetzt viele von Euch enttäusche, aber ich bin nur ein Mensch und somit fehlbar. Gerne würde ich Euch auch in Zukunft inspirieren an Euren Zielen festzuhalten, aber das kann man nur wenn man mit Herz und Seel dabei ist.

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Ich habe in den letzten Wochen oft überlegt ob ich diesen Blog aufgebe, denn wenn ich nicht mehr versuche abzunehmen, worüber soll ich dann noch schreiben? Aber ich hänge an dieser Seite und auch an vielen von Euch Lesern, so es Euch da draußen überhaupt noch gibt. Ihr habt mir Eure Geschichten erzählt und ich war und bin stolz darauf das Euch meine Art, offen über oft peinliche Nöte und Ängste zu schreiben, geholfen und das es Euch in dunkeln Stunden Kraft gegeben hat.

Ich vermisse aber auch die Kraft die das Schreiben mir selbst gegeben hat, das gute Gefühl das sich mit der offenen „Beichte“ in mir selbst breit gemacht hat. Vielleicht war es auch einfach die Ruhe die mich erfüllt hat, wenn ich meine Gedanken einfach runter schreiben konnte.

Darum ist dieser Eintrag auch so etwas wie ein Hilferuf. Ihr habt zwei Möglichkeiten wenn ihr das hier lest. Ihr könnt mich verlassen, was ich nebenbei gesagt total verstehen könnte, schließlich gestehe ich gerade das der Wal wohl erst mal kein Aal wird. Warum also solltet Ihr bleiben? Oder ihr könntet mir helfen und mich inspirieren und schauen was dabei raus kommt.

Ich brauche einen frischen Start und ich weiß nicht wie ich es angehen soll und bis ich das weiß, muss ich zumindest das mit dem Schreiben wieder besser hinbekommen. Ich will mein Macbook nicht länger mit Krämpfen von schlechten Gewissen ansehen, sondern ich will mich darauf freuen, es hoch zu fahren und los zu legen. Ich und dieser Blog, das fühlt sich an wie einer dieser On/OFF Beziehungen an, wo jeder der das Drama von außen betrachtet weiß, das es hoffnungslos ist.

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Ist das hier Hoffnungslos und sollte ich es einfach dran geben? Hatte ich nur einen kurzen Moment wo schreiben mein Rettungsanker war und ist das ganze jetzt nur noch eine traurige Angelegenheit? Fragen über Fragen auf die ich heute keine Antwort finde, also kann ich auch einfach wieder an den Pool gehen… 😦

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3 Kommentare zu “Der Wal, der Selbstbetrug oder welche Chance hat eine ON/OFF Beziehung?

  1. Viel Spaß im Pool!

    Ich bleibe 🙂 Finde das, was Du gerade beschreibst einfach nur menschlich. Ich hoffe ihr könnt im Urlaub etwas zur Ruhe kommen.

    Herzliche Grüße

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