Dem Wal ist irgendwie unzufrieden….

Ich hatte eigentlich eine gute Woche und das wundert mich sehr, weil ich mich eigentlich genau vor dieser vergangenen Woche gefürchtet habe. Aber da Weglaufen oder im Bett bleiben keine Option war, dachte ich mir „tief durchatmen und dann einen Schritt nach dem anderen“ Ich rede übrigens nicht von irgendeiner sportlichen Herausforderung, sondern von der Tatsache, das mein Vater in der vergangenen Woche in ein Seniorenhaus (Ich verabscheue das Wort Heim und die Institution in der mein Vater jetzt wohnt, möchte auch nicht so genannt werden) umgezogen ist. Wir reden schon ein paar Jahre darüber, aber jetzt wurde es unausweichlich, weil er einfach Hilfe im Alltag braucht, die weder meine Schwester noch der Liebste und ich im vollen Umfang leisten können.

Ich hatte Angst vor diesem Tag, weil ich absolut verstehen kann, warum sich mein Vater mit aller Kraft und so lange er konnte, dagegen gesträubt hat. Das hat absolut nichts mit der Qualität oder der Art des Hauses, in das man zieht zu tun. Selbst wenn wenn wir uns die Residenz am Dom leisten könnten, die ja wirklich nur etwas für sehr gut betuchte Menschen erschwinglich ist, würde dass das Unbehagen nicht lindern. Sind wir doch mal ehrlich, in ein Seniorenhaus zu ziehen, ist wie im Bahnhof, auf dem der Zug zur letzten Reise abfährt, einzuchecken. Jeder der dort einzieht und noch alle Sinne beieinander hat und glaubt mir, unser Vater ist zwar sehr vergesslich, aber noch fit in der Birne, weiß das er nicht mehr ausziehen wird. Endstation! Das ist ein furchtbarer Gedanke, besonders wenn man das Leben liebt.

Natürlich möchten wir alle, das es ihm so gut wie möglich geht und werden in den nächsten Wochen alles daran setzten es ihm dort so gemütlich zu machen wie nur möglich. Wir haben zu unserem Erstaunen auch gelernt, das unser Vater unter Verlassnes Ängsten leidet. Obwohl meine Vater in den letzten Jahren darauf bestanden hat, alleine klar zu kommen, kümmern wir uns alle um ihn, wir telefonieren jeden Tag, sehen uns jede Woche, meine Schwester kommt regelmäßig über Wochenende von Holland nach Köln. Jetzt glaubt er, das wir ihn gut versorgt untergebracht haben und  ihn nicht mehr besuchen. Das ist natürlich absoluter Quatsch, aber wenn es ihm Kummer macht, muss man gegensteuern. Einer von uns ist also wirklich jeden Tag bei Ihm und wir versuchen ihm bei der Eingewöhnung zu helfen. Ist er glücklich? Nein, ist er nicht, denn alles fühlt sich fremd und ungewohnt an, auch musste mein Vater, schon lange keine neuen  Freunde mehr machen. Der Liebste hat es auf den Punkt gebracht, als er das so formulierte. Mein Vater ist ein alter Patriarch oder etwas weniger charmant ausgedrückt, ein alter Macho. Und wenn ich etwas in den vergangenen Jahren gelernt habe, dann das die Frauen die Seniorenhäuser der Welt regieren! 🙂 Tatsächlich habe ich letzte Woche ziemlich viel gelacht, unter anderem über das verdutzte Gesicht unseres Vaters, wenn Ihm eine der Damen so richtig, wie wir in Köln sagen, Zunder gibt. Ihr müsst verstehen, das mein Vater sein ganzes Leben der Herr im Haus war und das in einem ganz traditionellen Sinn. Zuhause war sein Wort Gesetzt und er hat die Regeln bestimmt. In seinem neuen Zuhause, bestimmen andere mit und die Konsequenz daraus ist, das mein Vater nicht immer seinen Willen bekommt, was hin und wieder für Urkomische Situationen sorgt.

Es mag seltsam klingen, aber das animiert und belebt ihn irgendwie. Unser Vater streitet gerne, das ist Fakt, aber erst jetzt merke ich, das Streit auch sein natürliches Kreislaufmittel ist. Ich bin ja nicht das leibliche, sondernd das Pflegekind unseres Vaters . Wobei, vor zwei Jahren war er zum Zucker Einstellen im Krankenhaus und meine leibliche Mutter Dana, besuchte ihn. Als ein Arzt zur Visite kam (den meine Mutter ziemlich attraktiv fand) und dieser nach dem Beziehungsstatus der beiden Fragte, sagt mein Vater „wir haben ein Kind zusammen“ Ihr müsst wissen, die beiden trennen über 20 Jahre und das ist deutlich sichtbar. Meine Mutter musste lachen und dem Arzt hat es die Sprache verschlagen. Aber ich schweife ab. Ich bin das Pflegekind und was mich am deutlichsten von meiner Pflegefamilie unterscheidet, ist das ich kein Kölsch sprechen kann. Ich spreche absolutes Hochdeutsch, mit etwas mühe könnte ich einem Bayern oder einem Hessen vorgaukeln das ich ein kölsches Mädchen bin,  Waschechten Kölner und somit meiner Familie, bekommen Lachkrämpfe, wenn ich so tue als ob.

Ich glaube das es diese Sprachbarriere ist, auf der die unterschiedliche Beziehungen beruhen, die meine Schwester und ich mit unserem Vater haben. Ich streite mich selten mit meinem Vater, aber wenn ist es immer ernst und einer von uns beiden (meistens ich) ist verletzt oder sauer. Mein Schwester und mein Vater sind das Paradebeispiel für den Ausdruck „kölsche Italiener“, was soviel bedeutet das sie laut, gestenreich und leidenschaftlich kommunizieren oder wie ich es sehe, sich permanent gegenseitig Zunder geben. Und ob Ihr es glaubt oder nicht, ich könnte Stundenlang dabei zuhören, denn die beiden sprechen wunderschönes, richtiges altes Kölsch und es ist so lustig das ich schon gefühlte 100 Mal einen Lachkrampf unterdrücken musste. Was aber viel ausschlaggebender ist, das diese Wortgefechte mit meiner Schwester, ihn mehr beleben als alles andere. Sein Gesicht ist animiert und er wirkt dann oft irgendwie glücklich. Das liegt zum Teil sicher auch daran, das meine Schwester Ihrer Mutter, meiner Pflegemutter in Ihrer Persönlichkeit viel ähnlicher ist, als sie selbst ahnt und mein Vater unsere Mutter immer noch sehr vermisst. Sie starb vor drei Jahren und die beiden waren über 50 Jahre zusammen.

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Mir ist es nicht gegeben, meinen Vater so zu animieren wie meine Schwester! Versteht mich nicht falsch ich bin glücklich mit unserer Beziehung, aber ein kleiner Hauch von Eifersucht schleicht sich manchmal ein. Aber am schönsten ist es eigentlich, wenn wir alle zusammen sein können, so wie dieses Wochenende. Das neue Zuhause meines Vaters ist nur knapp einen Kilometer von mir entfernt. Meine Schwester ist dieses Wochenende da und hat auch noch ihre Beste Freundin mitgebracht. Zusammen mit Papa sind sie  über die Severinstraße geschlendert, wo ich wohne und wir haben spontan zusammen im Straßenkaffee gesessen und dummes Zeug erzählt. So entspannt waren wir schon lange nicht mehr zusammen, denn wir Schwestern sind natürlich beruhigter, weil der Vater gut versorgt ist, denn das gibt uns Zeit einfach Quality Time mit unserem Vater zu verbringen, statt organisatorische Gespräche zu führen. Natürlich gibt es noch einiges zu klären und zu organisieren, aber wir haben nicht mehr die Sorge, das unser Vater alleine in seiner Wohnung ist, nichts isst, nur schläft und immer isolierter wird. Das befreit ungeheuer.

Ich bin gerade sehr dankbar für diese Momente und genieße sie ganz bewusst und das ist auch der Grund warum ich Euch davon erzähle. Eigentlich hatte ich was zum Thema Ernährung „Gesunde Snacks“ vorbereitet, aber das beschäftigt mich im Moment nicht wirklich, also müsst Ihr Euch mit diesem Beitag noch ein Weilchen gedulden.

Als ich auf meiner FB Seite „Vom Wal zum Aal“ kurz gepostet habe, das der Umzug meines Vaters ansteht, habe ich sehr viel Mitgefühl und Ratschläge erfahren. Viele haben mir von ihren persönlichen Erfahrungen berichtet, was mir gerade sehr hilft. Immer wenn mich eine Welle des schlechten Gewissens überrollt, weil ich merke das er sich noch nicht wirklich aklimatisiert hat, denke ich daran, das viele andere die gleiche Erfahrung gemacht haben und das deren Eltern nach einer Weile angefangen haben, sich wohl zu fühlen und das tröstet mich.

Erwachsen sein und sich auch so benehmen müssen, ist manchmal schon richtig Scheiße!

Ansonsten läuft es eigentlich echt gut, das zunehmend sonnige Wetter motiviert sehr, sich jeden Tag aufzurappeln und los zu legen, allerding gibt es ja bei uns Frauen immer diese bestimmte Zeit im Monat, wo mit uns nicht gut Kirschen essen ist. Bei uns zuhause sagen wir dann, das Tante Rosa zu besuch ist. Tante Rosa ist neben Satan, die wohl größte bremse im sportlichen Programm,  denn wärend sie zu besuch ist, ist man ja doch stark verunsichert, gerade beim sport oder körperlicher Anstrengung generell. Aber darüber will ja niemand reden, weil es irgendwie peinlich und auch immer noch ein Tabuthema ist, frei nach dem Motto „Tante Rosa hat man, spricht aber nicht drüber“ Aber wenn ich am Wochenende vernünftig gelebt habe  und dann trotzdem am Montag morgen über 2 Kilo mehr auf der Waage hat, dann möchte man seinen Frust schon in die Welt raus schreien.

Vielleicht bin ich aber auch einfach nur frustriert, weil ich nicht so richtig ins Programm reinkomme. Klar, ich mache Sport und ernähre mich gesund, aber eben alles nicht bis zur letzten Konsequenz. ich mache Sport, aber eben nicht jeden Tag, weil andauernd was dazwischen kommt, denn mein Leben ist im Moment schon ganz schön fremd bestimmt. Ich esse gesund und verzichte auf Süßkram, aber so richtig mit Elan läuft das noch nicht und richtig viel tut sich auch nicht auf meiner Freundin der Waage.

Ich glaube ich brauche einen neuen roten Faden, an dem ich mir orientieren kann. WW macht mich im Moment so gar nicht an, gefühlt habe ich die berühmten Punktetabellen schon 100 mal in der Hand gehabt, aber ich schaffe es nicht ich konsequent einzulesen. Ich brauche was neues, auf das ich mich mit Energie stürzen kann und so überlege ich schon seit einigen Tagen, ob ich es mal mit Trennkost versuchen.

Irgendwie schwimme ich gerade in allen Bereichen meines Lebens. Mein Walprojekt tritt auf der Stelle und ich weiß nicht genau wie ich wieder in einen besseren Fluss komme. Ich mag meine bloggerei nicht, einfach weil ich finde, das ich im Moment nur SCHEIßE schreibe, fast so als hätte ich meinen Humor verloren, was eigentlich nicht der Fall ist. Das mit meinem Vater ist auch noch alles mitten drin, weil er noch in einem „Gästezimmer“ zur Kurzzeitpflege wohnt und wir erst richtig los legen können, wenn ein Zimmer für ihn frei wird. Eigentlich will ich unser Arbeitszimmer zuhause renovieren, aber auch da dümple ich vor mich hin. Tja und im Büro, da hab ich nicht genug zu tun um meine Tage befriedigent zu gestalten, aber doch zuviel um noch mal ne Woche Urlaub einzulegen. Fällt das vielleicht noch unter „Frühjahrsmügikeit“ Eigentlich habe ich überhaupt keinen Grund zu klagen und trotzdem fühle ich mich unzufrieden oder ist das vielleicht einfach eine Tante Rosa Nebenwirkung?  Wenn ich sogar Kollegen fragen, ob ich einen schlechten Tag habe, dann muss ich mir Sorgen machen, denn sowas werde ich nicht oft im Büro gefragt, weil ich eigentlich ein sonniges Gemüt mit zur Arbeit nehme.

Wisst ihr was, manchmal muss man einfach aktzeptieren, das man schlecht drauf ist, auch wenn es keinen Grund gibt! Shit happens…:-)

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