Der Wal, das neue Zuhause oder die mentale Vorbereitung! 

Wow… den Tag heute habe ich wirklich mehr oder weniger verschlafen. Ohne den Rhythmus den ich mit dem Liebsten zusammen entwickelt habe, bin ich den Versuchungen des ungesunden Lebens dann doch ziemlich ausgeliefert. Wobei, ich bin in einem fremden Land, in einer neuen Stadt und ich will mich ja auch sozial integrieren und neue Freundschaften schließen. Kein Mensch hält es sechs Monate in einer fremden Umgebung aus, wenn er nicht auch Freunde findet…naja, aushalten kann man das wahrscheinlich schon, aber für mich wäre so ein Leben nicht vorstellbar. Aber ich überschlage mich mal wieder selbst, besser ich gehe nochmal zum Anfang zurück.

Mit der mentalen Vorbereitung ist das manchmal so eine Sache. Ich bin ja nicht zum ersten mal beruflich im Ausland unterwegs und in der Regel läuft das immer nach dem gleichen Muster, zumindest wenn ich dem Liebsten glauben darf.

An meinem ersten Tag in der Ferne rufe ich abends zuhause an und weine verzweifelt in den Telefonhörer, gerne unterstützt von folgenden, unter heftigem Schluchzten hervorgebrachten Sätzen: „ Warum hab ich diesen Job nur angenommen?“ alternativ auch gerne „Ich hätte diesen Job nie annehmen dürfen“ oder „Wie konntest Du nur zulassen, das ich diesen Job annehme“, gefolgt von „Das Hotel ist furchtbar und das Zimmer ist ungemütlich“, „ Ich glaube die neuen Kollegen mögen mich nicht“, „Ich hab keine Ahnung was ich hier überhaupt machen soll“, „Ich kann nicht, was die von mir wollen“ und noch einige andere Äußerungen die Unterstreichen, das mein Selbstbewusstsein offensichtlich nicht mit auf die Dienstreise gekommen ist. Wenn ich ganz ehrlich bin, passiert ähnliches jedes Mal, wenn ich in einer neuen Firma anfange oder an einer Produktion mitwirke, die mir noch nicht vertraut ist. Diese Phase von Angst und Selbstzweifel hält für zwei bis vier Wochen an, dann platzt in der Regel irgendwann der Knoten und ich bin in meinem neuen Job angekommen.

So niedergeschrieben ist das durchaus amüsant und der Liebste und ich lachen anschließend auch immer heftig darüber, aber während ich mitten drin feststecke, ist es weder für ihn noch für mich ein Zuckerschlecken.

Aber wir oder besser gesagt ich, versuche ja immer aus Fehlern zu lernen. Der hehre Wunsch ist zwar nicht immer vom Erfolg geküsst, aber Wunder geschehen immer wieder, so erringe ich hin und wieder auch mal einen Sieg über meine eigenen Dämonen. Der Liebste und ich haben im Vorfeld viel über diese kommenden Monate gesprochen und weil wir beide wissen, dass ich fern der Heimat, eine starke Tendenz zum Drama habe, haben wir mich Mental auf das schlimmste vorbereitet.

Und so ist diesmal dann auch wirklich alles anders. Ich bin zufrieden, man könnte fast sagen glücklich. Die Kollegen, ob deutsch oder rumänisch, sind freundlich und haben mich herzlich willkommen geheißen. Das Hotel war prima. Ich schreibe „war“ weil ich gestern bereits in eine Wohnung gezogen bin, was wesentlich schneller ist, als ich je zu hoffen gewagt hätte.

Mein neues Zuhause ist eine unaufdringlich möblierte, großzügige Zweizimmerwohnung, ein sogenanntes Hotelapartment.

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Das Büro ist einem Modernen Neubau und befindet sich noch im Aufbau, was im Klartext bedeutet das gefühlt, jeden Tag eine Lieferung Möbel kommt, die von fleißigen Helfern aufgebaut werden. Aber alles nimmt langsam Formen an. Ich teile mir ein Büro mit vier anderen Kollegen, Rumänisch und Deutsch und das ist ausgesprochen Lustig, denn es herrscht ein ständiges Sprachgewirr aus Englisch, Rumänisch und Deutsch. Was uns aber alle verbindet ist der Sinn für Humor. Ich habe in dieser Woche schon mehr gelacht, als ich mir je hätte träumen lassen.

Die rumänischen Kollegen sprechen fast alle, sehr gut Englisch, was wahrscheinlich daran liegt, das amerikanische Filme hier nicht synchronisiert werden, sondern mit Untertiteln laufen. Eine Tatsache von der ich, mangels Deutscher Sender, gerade sehr profitiere! ´:-)

Da einer der Deutschen Kollegen am Freitag Geburtstag hatte, sind wir abends in einer großen Runde ausgegangen und offen gesagt, war das ein absoluter Glücksfall. Es ist nun mal so, dass man sich am besten und unkompliziertesten kennenlernt, wenn man zusammen isst und trinkt. Es wären vermessen von mir, jetzt pauschal über alle Rumänen zu sprechen, darum habt immer im Hinterkopf, dass ich natürlich nur über den klitzekleinen Kreis spreche, den ich bis jetzt kennengelernt habe. Ich erlebe die Menschen hier als unfassbar Gastfreundlich und sehr Stolz auf Ihr Land und die Veränderungen die hier gerade stattfinden. Der Wahrheit die Ehre gebend, weiß ich einen feuchten Scheiß über Rumänien, was ich mittlerweile beschämend finde, den dieses Land hat eine spannende Geschichte. Auf der anderen Seite bin ich darum auch wie ein unbeschriebenes Blatt und erlebe jetzt alles aus erster Hand. Im Moment hat jeder Tag etwas sehr abenteuerliches, weil es so viel Neues zu entdecken und zu lernen gibt. Sowohl über Land und Leute, wie auch über meinen neuen Job.

Nach dem ich die ersten Tage mit Akklimatisierung und ankommen verbracht habe, muss ich mich am Montag in die Arbeit stürzen, denn es gibt verdammt viel zu tun. Da ich am Freitag dann recht heftig mit den Rumänischen Kollegen abgestützt bin, musste ich gestern tapfer sein und die neue Wohnung beziehen und da Möblierte Wohnungen meistens nur das nötigste haben, musste ich dann auch noch zu Ikea. Ganz ehrlich, Ikea besuche sind ja immer Anstrengend, aber wenn man dann auch noch verkatert ist, wird es zu eine ernsthafte Herausforderung. Auch der Rumäne liebt sein Ikea und auch hier herrscht an einem Samstag Krieg. Aber da ich eine wundervolle Kollegin an meiner Seite hat, die so gut auf mich aufgepasst hat, wie es sonst nur der Liebste tut, habe ich nicht nur überlebt, sondern auch den wichtigsten Kram für die Wohnung eingekauft.

Danach fuhren wir in den größten Supermarkt in dem ich je gewesen bin. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie es ist wenn man verkatert in einem überdimensionalen Supermarkt ist, wo man umgeben ist von fremden Gerüchen, einer Sprache die am nicht verstehen oder lesen kann und genau dort soll man den ersten Basis Einkauf für das neue Zuhause tätigen. Es war sagenhaft, ich bin noch immer geflascht von den neuen Eindrücken. Wenn ich das nächste Mal da bin, muss ich unbedingt Fotos machen, aber gestern war ich dazu zu verpeilt!

Ohne meine Kollegin Elke wäre ich hoffnungslos verloren gewesen! 🙂

Das mit der Ernährung wird Schwierig werden, denn abgesehen von Obst und Salat werde ich hier kein Diätfreundliches Essen bekommen, außer ich mache es mir selber. Die Rumänische Küche ist extrem mächtig und der Rumäne an sich scheint einen Hang zum Junkfood zu haben. Gefühlt gibt es hier 1000 Fastfood Buden, wovon die Hälfte JFK oder Pizza Hut Restaurants sind. Ich glaube ich muss anfangen mir etwas zu Essen mit ins Büro zu nehmen. Das wird alles nicht einfach werden, denn im Moment bin ich noch so unwissend, das die Schwierigkeiten schon anfangen, wenn ich Fettarme Milch kaufen will. Aber das wird schon, denn die Sprache an und für sich, kann ich ganz gut verstehen. Da sie Lateinischen Ursprungs ist, ähneln sehr viele Worte der deutschen, italienischen oder englischen Sprache, halt nur anders betont. Ich hab mir ein Übersetzter-und Lern App runter geladen, das extrem Hilfreich ist.

Ein Sportstudio in der Nähe des Büros habe ich auch schon entdeckt, dort werde ich diese Woche mal vorbeischauen. Mit ein bisschen Glück kann ich mich dort anmelden. Ich muss unbedingt Sport treiben, denn da es hier wirklich winterlich und kalt ist, ist mein Hauptfortbewegungsmittel das Taxi. Taxifahren ist hier extrem günstig, umgerechnet kostet mich die Fahrt zum Büro zwei Euro. Da ich die Stadt noch nicht wirklich erkunden konnte, wäre zu Fuß gehen auch mit dem Risiko verbunden, mich gnadenlos zu verlaufen. Das gelingt mir sogar noch in Köln und da lebe ich ja schon seit 30 Jahren.

Zusammengefasst muss ich also sagen, es geht mir gut und ich sehe den kommenden Monaten mit Spannung und Optimismus entgegen. Der einzige Wehrmutstropfen ist, das der Liebste nicht bei mir ist und ich ihn schrecklich vermisse. Wir haben bewusst gesagt, dass ich das erste Wochenende alleine hier verbringe, damit ich erst mal in Ruhe ankommen kann, was auch eigentlich eine gute Idee war und ist, aber jeder Tag an dem ich meinen Liebsten nicht küssen kann, scheint ein verschwendeter Tag zu sein. Die Nächte sind allerdings am schlimmsten, denn ich finde keine Position im Bett ohne ihn an meiner Seite. Aber nur noch fünf Mal schlafen und dann kommt er das erste Mal zu Besuch. Wenn er erst mal hier bei mir in der Wohnung war, wird alles noch besser werden, denn dann wird es unser rumänisches Zuhause.

Es gäbe noch so viel mehr zu berichten, aber ich bin ein müder kleiner Wal und muss jetzt ins Bett, denn meine Schnupperwoche ist vorbei und morgen muss ich die Ärmel hoch Krempeln und mich in die Arbeit stürzen, denn er gibt verdammt viel zu tun, sowohl für die Firma, wie auch für mich selbst… 🙂

Ein Kommentar zu “Der Wal, das neue Zuhause oder die mentale Vorbereitung! 

  1. Hey Debby,

    du schön das du so fix alles gefunden hast was man so braucht,
    das mit dem Essen ist glaube ich sone sache.
    Ich hab mich bei der Erwähnung der Kalorienberge die die Rumänen essen
    gefragt ob die das nicht für den eventuellen Überfall eines
    venenfreundlichen rumänischen Uralten machen. *man will ja nicht das
    der gute vom Fleisch fällt 😉 kicher* Ich freu mich auf jedenfall deine
    neuen Beiträge zu lesen, ich hatte einen fiesen Tagesbeginn und
    dein Beitrag und ein CAppuchino haben mir den wieder gerade gebogen.
    Andere lesen Bild ich deinen Blog zum Frühstück wenn du einen Beitrag geschrieben hast. Ansonsten tut es auch ein gutes Buch…

    lg mona

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