Der Wal, die 44 oder ein Leben zwischen Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt!:-)

Vorgestern wurde ich 44 und gestern habe ich, wie man so schön sagt, einen Freund zu Grab getragen. Das beschreibt dann auch schon meinen Gemütszustand der vergangenen Woche.

Gestern habe ich auch hier am Schreibtisch gesessen und geschrieben, aber der Blog klang so depressiv, das ich mich nicht überwinden konnte ihn zu veröffentlichen, denn so wie ich darin klang, so möchte ich weder sein, noch gesehen werden. Versteht mich nicht falsch, traurig sein ist OK, und es ist auch OK, darüber zu schreiben, aber nicht wenn man dem Rest der Welt das Gefühl vermittelt, das man Kurz davor ist sich einen Strick zu nehmen. Ihr habt sicher nicht vergessen, dass ich einen leichten Hang zur Dramatik in meinem Leben habe. Aber da ich ja jetzt alt und hoffentlich auch bald weiße bin, habe ich das getan was man tun sollte, wenn man etwas in einer extremen emotionalen Situation schreibt. Eine Nacht darüber schlafen, bevor man es los schickt. Und siehe da, heute sieht die Welt für mich schon wieder anders aus.

Die letzte Woche hatte mich müde gemacht oder vielleicht ist emotional erschöpft, eine passendere Beschreibung. Der Tod unseres Freundes beschäftigt mich nachhaltig und bedrückt mich. Ich möchte im Zusammenhang mit meinen Gefühlen, nicht über Trauer sprechen denn das trifft es nicht richtig, natürlich bin ich aufrichtig traurig, sogar sehr, aber noch mehr als das, bin ich aufgewühlt und dünnhäutig, um nicht zu sagen über empfindlich. Es fühlt sich gerade so an, als ob zwischen mir und meiner Umwelt kein Schutzschild bestehen würde und alles ungemildert und ungefiltert zu mir durchdringen würde.

Ich hatte Angst vor der Beerdigung gestern, Angst vor all dem Kummer den ich dort sehen und fühlen würde.  Das beschämt mich, denn man sollte doch in so einem Moment stark sein und die Menschen die in erster Linie betroffen sind, unterstützen.  Ich hätte gerne etwas kluges, etwas geistreiches zu den Menschen gesagt, die heute wirklich gelitten haben. Aber meine Lippen waren wie mit Pattex zugeklebt.

Seltsamerweise war es gerade alle der Kummer den ich gesehen habe, der mich getröstet hat. Zu sehen, dass dieser Freund so vielen Menschen aufrichtig etwas bedeutet hat, hat mich fast ein wenig glücklich gemacht. Auch wenn er nur 46 Jahre unter uns verbracht hat, so sind diese Jahre nicht unbemerkt geblieben, sie haben Spuren hinterlassen. Ist es nicht das, was wir alle tief in unserem Innern wollen, Spuren hinterlassen!?

Der Pastor hatte eine sehr undankbare Aufgabe, er sollte einer aufrichtig trauernden Gemeinde, erklären warum Gott seine Gründe, für die Dinge die er geschehen lässt, hat. Als der Pastor zugab, das er kaum weiß, wie er das erklären soll, habe ich mich der Kirche, für einen Moment, so nah gefühlt, wie noch nie zuvor. Und dann hat er noch etwas gesagt, was mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Das es nicht darum geht wie viele Jahre das Leben hat, sondern wie viel Leben die Jahre haben. Klingt eigentlich wie eine der Lebensweißheiten, die viele von uns so gerne auf Facebook posten. Wenn aber ein, so menschlich warmer und recht beeindruckender Pastor, das sagt, und wenige Meter vor der eigenen Nase der Sarg mit dem Freund darin steht, gewinnen diese Worte Bedeutung. Sowohl weil man über das Leben des Freundes nachdenkt, sich aber auch die Frage stellt, ob die eigenen Jahre mit Leben gefüllt sind.

Zumindest geht es mir so, denn ich bin jetzt 44, was ich zumindest Zahlen technisch besser als 43 finde. Allerdings ändert das nichts an der Tatsache, das ich mit dem älter werden so meine Probleme habe. Das hat weniger mit dem optischen Alterungsprozess (wobei ich den auch nicht prall finde), als mit dem in meinem Kopf zu tun.

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Ich bin nicht der Mensch der sich gerne sein wollte, wenn ich erwachsen bin, wobei ich nicht weiß ob ich schon wirklich erwachsen bin, mal abgesehen von der eindeutigen Tatsache, das ich volljährig bin. Oft fühle ich mich, wie eine 5 jährige die sich trotzig auf den Boden schmeißt und laut schreiend, mit Händen und Füßen nach allem schlägt und tritt, wenn es nicht so läuft wie sie will.

Ich bin nicht cool und immer Herrin jeder Lage. Weder besitze ich ein Pokerface, noch bin ich sonst in irgendeiner Form Geheimnisvoll oder schwer zu durchschauen. Das waren durchaus Persönlichkeitsmerkmale, die ich mal angestrebt hatte, und um wie immer bei der Wahrheit zu bleiben, auch immer wieder anstrebe. Allerdings schon seit Jahren ohne länger anhaltenden Erfolg.

Ich bin laut und das meine ich nicht nur im klassischen Sinn. Ich bin auch emotional laut, denn meine Gefühle schreien mein jeweiliges Gegenüber an. Ob Glück, Wut, Stolz, Liebe oder Angst, die ganze Palette der Emotionen singe ich runter, wie andere Menschen Tonleitern. Nur im Gegensatz zu den Tonleitern, die durchaus leise anfangen und sich steigern können, brüllen meine Gefühle immer direkt jeden, inklusive mir selbst, in voller Lautstärke an. Und selbst heute, mit 44, weiß ich in dem Moment wo es passiert, meistens nicht wo der Lautstärker Regler sitzt.

 Goethe

Die letzte Woche war also ein hin und her schaukeln zwischen Himmelhoch jauchzend und zum Tode betrübt sein, was nicht nur für mich, sondern auch für mein Umfeld, ziemlich anstrengend ist. Ich hatte einen wirklich sehr schönen Geburtstag, konnte mich aber das ganze Wochenende und gestern sowieso nicht, dazu überwinden mir die Geburtstagsmails und Grüße sonstiger Art, durch zu lesen. Es mag lächerlich klingeln, aber irgendwie habe ich mich dafür geschämt, dass es Schönes und Glück, in meinem Leben gibt, wo andere gerade eine so schlimme Zeit erleben. Es gibt wirklich nichts und niemanden, was einen so gut quälen kann, wie das eigene Kopfkino.

Dann ist heute etwas passiert, was mich irgendwie aus meinem Seelendilemma raus gerissen hat. Wie gesagt, in den letzten Tagen war ich nicht gerade das, was man eine angenehme Kollegin nennen würde und heute standen dann plötzlich meine Kollegen in der Tür, sangen und beschenkten mich. Ich bin sowieso extrem rührselig und im Moment emotional angeschlagen. Ich hatte so meine Mühe, die Fassung zu bewahren und keinen Wasserfall raus zu lassen. Es war ein wundervoller Moment, der mich unheimlich glücklich gemacht hat!

Und plötzlich dachte ich „Debby, spinnst Du eigentlich?“ um der Antwort vorweg zu greifen, ja, grundsätzlich tue ich das! Ich hab sogar ganz gewaltig einen an der Waffel, aber meistens auf eine recht charmante Art. Aber wenn ich etwas aus den Ereignissen der letzten Tage gelernt haben sollte, dann das man das Leben genießen muss und dankbar dafür sein sollte, das es Schönes und Glück für mich gibt. So habe ich dann gerade endlich Facebook aufgemacht und angefangen zu lesen, meine Mails durch gearbeitet und meinen SMS Eingang begutachtet.

Die Jahre meines Lebens sind mit Leben gefüllt! Ich möchte sogar behaupten, mit extrem prallem Leben! Unter anderem seit Ihr da draußen dieses Leben und an diesem Geburtstag habt ihr mich auf wundervolle Weise daran erinnert, das ich eine Reiche Frau bin! Reich an Familie, Freunden und Kollegen, die sich die Zeit nehmen, mich wissen zu lassen, das Sie an mich denken, durch welches Kommunikationsmedium auch immer. Ob in der Ferne oder um die Ecke, ich bin nicht allein und ich habe eine Menge Gründe, ein sehr glücklicher und zufriedener Mensch zu sein.

Trotz dieser so weißen Erkenntnis, wir mein Leben auch weiterhin, eine Emotionale Achterbahnfahrt bleiben, denn so bin ich nun mal!

Ich danke Euch von ganzem Herzen, das Ihr trotzdem an mich gedacht habt…;-)

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