Der Wal, der Tod, die Vergänglichkeit oder warum dreht die Welt sich einfach weiter?

Bernd

 

Heute Morgen klingelte mein Telefon, als ich gerade vor der Tür meines Bürogebäudes stand. Auf dem Display sah ich den Namen meiner Mutter und nahm den Anruf mit den Worten „Mami, ich bin gerade auf dem Weg ins Büro, ich ruf Dich später zurück“ entgegen. Da hörte ich nur einen verzweifeltes Schluchzten und ein ersticktes „Nein, nein, häng nicht ein“ Da meine Mutter nur sehr selten weint, macht mir nur der Klang Ihrer Tränen erstickten Stimme eine Heidenangst, weil dann etwas wirklich Schlimmes passiert sein muss. Und so ist es auch, denn einer unserer liebsten Freunde, um nicht zu sagen, der Beste Freund meiner Mutter, ist gestorben. Einfach so, von einem Moment auf den anderen nicht mehr da. In meinem Kopf wurde es für ein paar Sekunden ganz Still und Dumpf und ich musste mich zusammenreißen um auf meine Mutter reagieren zu können.

Der Tod ist mir nicht fremd, denn wie sicher die meisten von Euch, habe auch ich schon geliebte Verwandte und Freunde verloren. Aber in Sachen Verlust eines Menschen gibt es keinen Lerneffekt. Es tut jedes Mal so weh, als würde man das Gefühl, zum aller ersten Mal erleben. Ich sitze hier und frage mich selbst, warum es in meiner Brust so schmerzt und warum meine Kehle zugeschnürt ist und ich immer wieder Tränen weg blinzeln muss, denn um ehrlich zu sein, ist mir dieser Mensch lieb und teuer gewesen, aber nicht so nah, das es das Ausmaß meines persönlichen Kummers erklären würde. Wir haben uns in den letzten Jahren immer nur ein paar pro selbigem gesehen, aber wenn der Eine vom Anderen Hilfe oder Unterstützung brauchte, dann war klar, das man für einander da ist.

Es heißt das man in der Trauer sich selbst beweint, weil man zurück geblieben, allein gelassen wurde. Nicht darum traure ich, sondern um die Menschen für die sein Verlust, kaum zu verkraften sein kann. Seine Frau und Seelenverwandte, deren gemeinsames Glück noch so jung war. Es ist noch keine drei Jahre her, das wir auf Ihrer Hochzeit tanzten. Für seine Mutter, die ein stolzes Alter erreicht hat und am Leben festgehalten hat, weil sie noch das Glück einen Enkel bekommen zu haben, genießen wollte. Das Kind, das nie selbst erleben wird, was für ein Feiner Mensch, sein Vater gewesen ist.

Was kann man zu Menschen sagen, die so einen schrecklichen Verlust erleben? Wie kann man einer Mutter Mut machen, die Ihr Kind überlebt? Wie kann man eine Frau trösten, deren Träume von einer Sekunde auf die andere in Schutt und Asche liegen?

Ich, sonst so reich an Worten, fühle mich wie zur Stummheit verurteilt, weil es keine Worte gibt , die den Schmerz lindern können.

Es gibt den Tod, den man akzeptieren kann, weil ein Mensch ein langes und erfülltes Leben geführt hat. Dann scheint es Ok zu sein, auch wenn es weh tut. Aber nicht dieser Tod hier und jetzt, dieser Tod ist ungerecht, gemein, nicht richtig, einfach falsch! Er war nur zwei Jahre älter als ich und eigentlich Kerngesund. Er hatte Pläne und Träume, sein privates Glück hatte gerade erst richtig angefangen und jetzt soll es einfach so vorbei sein.

Trauer hat auch mit Angst und Egoismus zu tun, und so muss ich, obwohl ich mich dafür schäme, gestehen, das dieser unerwartete Verlust mir auch vor Augen führt, wie vergänglich mein eigenes Dasein und das derer, die ich von ganzem Herzen liebe, ist. Ob ich will oder nicht, immer wieder muss ich daran denken, wie es wäre wenn ich meinen Mann verlieren würde. Ohne die Möglichkeit von ihm Abschied nehmen zu können, ohne ein letztes mal „Ich liebe Dich“ zu ihm sagen zu dürfen. Was ist wenn ich die Zeit mit jenen die ich liebe nicht genügend auskoste. Was ist wenn ich die falschen Prioritäten für mein Leben gesetzt habe und meine Zeit damit verschwende nach Anerkennung und Wohlstand zu streben, wo ich mich lieber auf Familie und Freunde konzentrieren sollte. Ich habe Angst, weil nur Gedanke allein so unerträglich ist, dass sich meine Innereien verkrampfen und mir übel wird.

Aber ich bin sicher nicht der einzige Mensch, der sich mit diesen Fragen und Ängsten auseinander setzt, weil er unerwartet Berührung mit dem Tod hat. Das Leben und die Zeit haben immer wieder bewiesen, dass es möglich ist, den Verlust eines geliebten und geschätzten Menschen zu verkraften, ja sogar das man weiter machen und auch sein Lachen und Glück wieder finden kann. Und auch wenn ich das mit absoluter Klarheit weiß, so tröstet es mich in diesem Moment kein bisschen. Ich kann immer nur an seine Familie und deren unermesslichen Kummer denken.

Das schlimmste und gleichzeitig, das natürlichste aber ist, dass sich die Welt einfach weiter dreht, so als ob nichts passiert wäre. 20 Minuten nach dem Telefonat saß ich mit ein paar Kollegen zusammen und besprach was diese Woche in unserer Show passieren soll. Ich habe mir Mühe gegeben konzentriert zuzuhören und mit zu arbeiten, aber eigentlich wollte ich sie nur anschreien und sagen „Wie könnt Ihr über Comedians und Einspielfilme sprechen, wo doch gerade ein wirklich guter Mensch gestorben ist“ aber natürlich tat ich das nicht, denn das ist der Lauf des Lebens und wahrscheinlich wäre der Freund den wir heute verloren haben, der Erste gewesen der das verstanden und auch so gehandhabt hätte.

Frei nach dem Motto „The Show must go on“ denn auch er war ein Mann der Unterhaltung, ein Regisseur und Produzent, wobei ich ihn lieber als Geschichten Erzähler beschreiben würde. Denn er verdiente sein Geld zwar überwiegend mit Imagefilmen und Auftragsproduktionen, aber was er wirklich liebte und auch tat, wenn er konnte wie er wollte, war Geschichten mit Inhalt zu Erzählen, Inhalte die berühren. Jeder der ihn kannte, weiß wie hartnäckig und unermüdlich er für Projekte und Drehbücher an die er geglaubt hat, kämpfte. Hätte das Schicksaal im mehr Zeit zugestanden, er hätte uns sicher noch einige schöne Geschichten, die ans Herz gehen, erzählt.

Er war keine Berühmtheit und so wird es sicher keinen FB Hype geben, weil er von uns gegangen ist. Und auch wenn ich hier seinen Namen nicht nenne, weil es mir nicht zusteht, denn er war kein Mensch des öffentlichen Lebens, und die meisten von Euch, ihn wahrscheinlich sowieso nicht kannten So möchte ich Euch trotzdem Bitten, einen Moment inne zu halten, und seiner Familie Kraft und Liebe per Gedanken zu schicken. Da ich weder wirklich an Gott noch sonst eine spirituelle Führung glaube, ist es absurd Euch um so was zu bitten. Aber wenn man sich hilflos fühlt, greift man nach jedem Strohalm und ich würde im Moment alles tun, um den Schmerz seiner Familie und auch den meiner Mutter, zu lindern.

Meine Großmutter pflegte immer zu sagen, das man darauf achten sollte, wie man mit einem Menschen auseinander geht, weil man nie weiß, ob man sich wieder sieht. Ich bin im guten mit diesem Freund auseinander gegangen. Wir haben gemeinsam über meine Mutter gelacht, die sich trotz Diät und Ärzteverbot, einen Nachschlag von Ihrem perversen Schokoladen Geburtstagskuchen nahm, weil das Leben einfach zu kurz für Verbote ist…

 

2 Kommentare zu “Der Wal, der Tod, die Vergänglichkeit oder warum dreht die Welt sich einfach weiter?

  1. Der Beitrag spricht mir aus voller Seele. Danke.
    Ich denke auch, dass in solchen Momenten des Verlustes uns unsere eigene Vergänglichkeit bewusst wird. Und die Frage bleibt, was von uns bleibt. Ob wir in den Herzen derjenigen einen (dauerhaften) Platz haben, die uns gut kannten.
    Und ein bisschen schwingt in der Traurigkeit auch die Frage mit, wann und wo und unter welchen Umständen es uns erwischt…

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