Der Wal, die freundlichen Bayern oder man ist nie zu alt für Heimweh! :-)

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich unter Flugangst leide? Naja, man kann es wahrscheinlich nicht mehr wirklich Angst nenne, da ich es mittlerweile ziemlich gut im Griff habe, solange die Umstände Optimal sind, sprich gutes Wetter, nüchterner Pilot und Stewardessen die mich möglichst schnell mit Alkohol abfüllen. Heute hat es das Schicksal nicht besonders gut mit mir gemeint. Regen der so unfassbar stark war, dass ich angefangen habe, nach Nohas Arche Ausschau zu halte. Trinken war keine Option, denn ich bin ja beruflich unterwegs und morgens um 10 Uhr kann selbst ich noch keinen Schnaps trinken, und Prosecco allein hätte bei dem Wetter nicht gereicht. Der Flieger war ausgebucht und ich saß neben einem Mann, der es mit seinem, für meinen Geschmack, zu süßem Aftershave, zu gut gemeint hat. In meiner Welt, ist das kein guter Montagmorgen!

Ich weiß nicht genau warum, aber zu München und den Bayern hatte ich noch nie einen richtigen Bezug oder anders gesagt, keine Beziehung. Ich empfinde eher so etwas wie Trotz den Bayern gegenüber, denn wenn man viel Zeit im Ausland verbringt, dann lernt man unweigerlich, das die restliche Welt glaubt, dass wir alle gerne Trachtenlederhosen tragen und Sauerkraut unser Nationalgericht ist. Ich war auch noch nie privat in München, sondern immer nur beruflich, was sicher auch nicht dazu beiträgt, das ich mich dieser Stadt verbundener fühle, weil ich außer Firmengebäuden nie etwas anderes gesehen habe. München und ich haben eher eine Knackige rein und schnell wieder raus Beziehung. Aber heute sind so ein paar Kleinigkeiten passiert, die mich zum einen wieder an das gute oder weniger dramatisch formuliert, das nette im Menschen glauben lassen, und die die Bayern mit einem Schlag irgendwie sehr symphytisch macht.

Der Eingang zur S-Bahn ist ungefähr 100 Meter vom Flughafen entfernt, aber 100 Meter im wirklich strömenden Regen, sind fast unüberwindbar ohne Regenschirm. Eine Jacke hatte ich auch nicht an, weil es einfach viel zu schwül war. Während ich also da stand und überlegte wie ich zu S-Bahn komme, ohne danach wie ein begossener Pudel auszusehen, kam ein älterer Herr auf mich zu und sprach mich auf tiefstem bayrisch an. Ich verstand kein Wort, aber es war klar, dass er mich mit seinem Schirm rüber bringen wollte, was er auch tat. Der Taxifahrer in Ismaning, sprang aus dem Auto und holte mich mit einem Regenschirm ab, damit ich trocken zu seinem Auto kam. Ich fahre oft Taxi, aber das ist mir noch nie passiert.

Als ich dann heute Nachmittag ins Hotel kam, dachte ich mir, das ich erst mal etwas essen gehe, denn je früher des do besser für die Verdauung. Zum Hotel gehört ein schöner Gasthof, der eine extrem verführerische Speisekarte hat und ich kann gar nicht genug betonen, wie schwer es ist, solch einer Verführung nicht zu erliegen, wenn man allein und unbeobachtet ist. Aber da ich sowieso zu den nervigen Menschen gehöre, die in Restaurants immer Extrawünsche haben, und es zudem noch Pfifferling Zeit zu sein scheint, habe ich das Beste aus der Disziplin gemacht. Ich bestellte einen Berg gebratener Pfifferlinge mit Zwiebeln und ein Steak und ich habe selten etwas Leckeres gegessen. Der Koch scheint etwas überrascht von meinem Sonderwunsch gewesen zu sein und da noch nicht viel los war, ist er raus gekommen um zu sehen, wer nicht von seiner regulären Karte essen wollte. Wir kamen ins Gespräch und ich sagte Ihm, dass es eines Eisernen Willens bedurfte, nicht eine Gericht mit leckerer Sahnesoße zu bestellen und das mein Sonderwunsch meiner Diät geschuldet sei. Was soll ich sagen, er lud mich in die Küche ein und ließ mich drei der Soßen auf der Karte probieren, spendierte mir ein Helles (Ja, ich weiß kein Alkohol, aber so viel Gastfreundschaft konnte ich nicht ablehnen) und sagte mir, das er mir Morgen etwas passendes zaubern würde 🙂

Vielleicht sind alle Bayern nett und liebenswürdig, vielleicht wollte mich das Schicksal auch nur über das üble Wetter hinwegtrösten, vielleicht ist es auch mein unwiderstehlicher Charme, der Menschen so nett zu mir sein lässt. Ich weiß es nicht, aber diese entzückenden Erlebnisse haben dazu beigetragen, dass ich mich nicht mehr ganz so fremd und fern der Heimat fühle.

Ich bin 43 und leide trotzdem unter entsetzlichem Heimweh, wobei sich das eigentlich ausschließlich auf den Liebsten und unser Bett bezieht. Weder schlafe ich gerne, geschweige denn gut, ohne den Liebsten. Fremde Betten sind auch nicht wirklich mein Fall, zumindest nicht ohne den Liebsten darin. Leider habe ich auch noch ein Einzelbett, dabei ist das Zimmer so groß, das hier mindestens drei Doppelbetten reinpassen würden. Ich habe bestimmt seit 30 Jahren in keinem kleinen Bett mehr geschlafen und gehe stark davon aus, dass ich mich heute Nacht irgendwann auf dem Boden wiederfinden werde, denn rausfallen ist quasi vorprogrammiert!

Damit könnte ich sogar noch Leben, was mich wirklich gerade stresst ist, dass ich das Ladekabel für meinen Kindel vergessen, dafür aber zwei IPhone Ladegeräte, eingepackt habe. Ohne Kindel habe ich weder etwas zu lesen, noch kann ich mein Hörbuch zum Einschlafen hören. Verdammte Abhängigkeit von der Technik. Ich sollte doch wieder auf Papierbücher umsteigen.

Jetzt sitze ich hier, mit einer großen Kanne heißem Tee, draußen prasselt der Regen und eigentlich ist es irgendwie sogar recht gemütlich, trotzdem fühle ich mich einsam. Dabei kann ich eigentlich gut alleine sein, aber eben in meinem Zuhause, denn ein Hotelzimmer bleibt immer, egal wie nett eingerichtet und wie gut der Service, eben nur ein Hotelzimmer.

Ich vermisse mein Sportstudio und ich glaube diesmal nicht, dass es etwas mit meinem schlechten Gewissen zu tun hat. Ich war absolut vernünftig am Wochenende und habe laut der Waage daheim, sogar weiter abgenommen. Aber ich fühle mich hibbelig und unausgeglichen. Mir fehlt diese befriedigende Erschöpfung, die der Sport mit sich bringt Hier wird es weder richtigen Sport Innen oder Außen für mich geben, denn das Hotel hat ein Außensportangebot aber keinen Sportraum. Da ich ein Weichei und auch noch aus Zucker bin, ist es sehr unwahrscheinlich, das ich bei dem Weltuntergangswetter zur Arbeit spaziere.
Ich scheine ein echter Gewohnheitsmensch geworden zu sein, was ich irgendwie auch beunruhigend finde! Ich bin zu jung um nach einem festen Rhythmus zu leben, ich sollte/will viel flexibler und spontaner sein. Auch hier scheine ich noch das richtige Gleichgewicht finden zu müssen. Manchmal fühle ich mich wie Sheldon aus „The Big Bang Theory“, leider nicht so klug wie er, dafür aber doppelt so neurotisch!

Aber noch dreimal schlafen und alles ist wieder gut, sogar das Wetter… 😉

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Ein Kommentar zu “Der Wal, die freundlichen Bayern oder man ist nie zu alt für Heimweh! :-)

  1. Oh das mit dem Heimweh nach dem Liebsten kenne ich auch sehr gut!!! Er ist seit heute bis Freitag auch beruflich unterwegs und ich hab wahrlich genug zu tun und bin selber kaum zu Hause diese Woche… Trotzdem fehlt er mir und will bei ihm sein.
    München hingegen mag ich sehr gerne:-) Bin gespannt was der Koch dir morgen zaubert:-)

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