Der Wal, die Mutprobe oder die Zeit steht nicht still! ☺

Der Liebste und ich wohnen in der Kölner Südstadt und wie alle Kölner, ob gebürtig oder zugezogen, sind wir der Meinung, das unser Veedel ( so nenne Kölner ihr Viertel) das schönste ist. Aber im Gegensatz zu den anderen haben wir natürlich Recht:-)

Wir gehen unseren Samstag, wenn möglich gerne ganz entspannt an und dazu gehört immer erst mal ein kleines Frühstück vor der Shopping Runde und das herrliche ist, das wir unser Veedel für all das überhaupt nicht verlassen müssen. Wir wohnen auf einer so genannten Einkaufsstraße, wobei diese Beschreibung viel zu oberflächlich ist und dem Charme des Sträßchens so gar nicht gerecht wird. Die Mischung die das Leben hier so angenehme macht, besteht aus genau dem richtigen Maß an jungen verrückten Menschen, Kölschem Urgestein, Künstlern und einem Bunten Durcheinander von Ausländern und ich denke oft, das wir hier das Beste von allem haben 🙂

Der Liebste ist verrückt nach dem Leben in der Südstadt und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Ihn nie dazu bewegen könnte, von hier weg zu ziehen. Er wohnte nämlich früher auf dem Land und kannte das Veedel Leben vorher gar nicht. Für Ihn ist es das schönste das er das Auto das ganze Wochenende nicht bewegen muss, wenn er nicht will und das sich im Veedel wirklich alle kennen. Ich muss immer schmunzeln, denn wenn er mal alleine einkaufen geht, kennt er den gesamten Tratsch aus der Nachbarschaft, weil er gerne mit den Verkäufern (übrigens fast alles Männer) unserer Stammläden Schwätzchen hält. Und da heißt es immer, dass wir Weiber die Tratschbasen wären 🙂

Aber heute Morgen waren wir zusammen unterwegs und haben uns erst mal ein Frühstück gegönnt. Ungefähr 50 Meter von unsrer Haustür entfernt, ist ein schnuckeliges kleines Kaffe, wo man für 4,90, ein wunderbares Frühstück bekommt.

Warme Brötchen, Marmelade, O-Saft und ein für meinen Geschmack perfektes Frühstücksei. Dort sitzen wir dann meistens neben einer Gruppe von quirligen Rentnerdamen, die sich auf tiefstem Kölsch über die wichtigen Themen des Lebens unterhalten. Aber selbst dort geht es im Moment nur um Fußball 🙂

Heute Morgenhabe ich dort, das erste Mal seit langer Zeit ein Brötchen mit Butter und Honig gegessen. Kennt Ihr das, wenn man fast vergessen hat, wie gut etwas schmeckt und dann plötzlich so einen krassen Erinnerungsflashback bekommt?

Ich war für ca. 30 Sekunden wieder 8 Jahre alt und saß mit meiner Großmama auf Ihrem Balkon beim Sonntagsfrühstück. Es ist seltsam, aber in letzter Zeit muss ich so ungeheuer viel an sie denken, ich frage mich woran das wohl liegt?

Auf jeden Fall haben wir ordentlich gefrühstückt, denn heute ist „Mutprobentag“! Ich habe Euch ja schon mal von meiner Rentnergang berichtet, darum erinnert Ihr Euch hoffentlich noch an Tante Berta, die 86 Jährige „Freundin“ meines Vaters. Ich setzte das in Anführungszeichen, weil die beiden ein kompliziertes Verhältnis haben, denn sie kennen sich fast ein ganzes Leben lang, sind beide verwitwet und ich glaube auch beide ein wenig einsam. Eigentlich könnten sie sich gut zusammen die Zeit vertreiben, aber irgendwie wollen beide nicht, das man denkt, das sie ein „Paar“ sein könnten, wobei sie sich tatsächlich oft so benehmen. Mein Vater nörgelt an ihr rum, so wie er früher an meiner Mutter rumgenörgelt hat und sie bemuttert Ihn irgendwie und nimmt ihn aber nicht besonders ernst. Also irgendwie wie ein altes Ehepaar.

Alle paar Wochen besteht Tante Berta darauf, für meinen Vater, den Liebsten und mich zu kochen. Ich glaube auch, das sie eine kleine Schwäche für den Liebsten hat, denn obwohl er an unseren Mittwochen nie dabei ist, weil er ja arbeiten geht, bringt sie ihm immer ein paar Tafeln Schokolade mit. Ich bin zu höflich, um zu fragen warum sie ihn verwöhnt, obwohl ich doch koche, und ich vermute das sie befürchtet er könnte verhungern, weil ich doch eine Diät mache. Also halte ich brav den Mund und lege ihm die Schoki aufs Kopfkissen 🙂

Jedenfalls war Tante Berta mal eine Hammer Köchin, aber im Zuge des zunehmenden Alters, hat sie ein wenig das Gespür fürs Timing verlernt oder auch einfach vergessen.

Das macht Ihre Essenseinladungen zu einem Anlass für den man all seinen Mut zusammen nehmen muss, denn sie selbst scheint nicht zu merken, dass es nicht mehr ganz so perfekt gelingt. So sind wir im Lauf der letzten Jahren zu ein paar fragwürdigen kulinarischen Experimenten gekommen.

Mit leichter Gänsehaut erinnere ich mich an Markklößchen Suppe, in der die Klößchen an Konsistenz verloren hatten, und das ganze in etwas verwandelt haben, das mich eher an einen Gestaltwandlungszaubertrank aus den Harry Potter Filmen, erinnert, als an ein Mittagessen. Auch der Sauerbraten mit Kartoffelklößen wird mir unvergessen bleiben, denn die Klöße hatten sich in Felsbrocken verwandelt und die Bratensoße war eine leicht durchsichtige Suppe.

Ihr Käsekuchen könnte ein sehr erfolgreiches Mittel sein, um jegliche Form von Getränk zu bewerben, denn man braucht für ein Stück ca. 1,5 Liter Flüssigkeit, um ihn runter zu bekommen, denn die Quarkmasse wird zu einer Art Zement im Mund.

Heute steht Zwiebelkuchen auf dem Speiseplan und der Liebste und ich fürchten uns, denn das letzte mal als Tante Berta sich daran versucht hat, sah das ganze aus wie ein flach geklopftes Kohlebricket mit gekochten Zwiebeln oben drauf und obwohl wir nur ein kleines Stück gegessen haben, waren wir an den folgenden zwei Tagen recht froh, eine Wohnung mit zwei Toiletten zu haben 🙂

Ihr könntet jetzt zu recht fragen, warum wir das nicht mal nett anmerken, schließlich rede ich ja immer soviel über Konfrontation und das sprechenden Menschen geholfen werden kann. Aber manchmal muss man auch wissen, wann man die Klappe halten muss!

Tante Berta ist einfach super glücklich, wenn sie für uns kochen kann. Sie bereitet das alles immer so unfassbar liebevoll vor und verwöhnt uns so führsorglich, das ich lieber ein Woche Durchfall hätte, als Ihr diese Freude zu verderben. Und obwohl mein Vater und ich nie wirklich darüber gesprochen haben, hält auch er seinen Mund und isst tapfer alles auf du das obwohl er eigentlich ein kritischer Esser, mit hohen Ansprüchen ist. Aber, wir ersuchen ja aus der Vergangenheit zu lernen und so haben wir genug gefrühstückt um keinen knurrenden Magen zuhaben, aber trotzdem etwas bei Tante Berta zu essen. Nach der Kohlsuppen Erfahrung der letzten Woche, bin ich eigentlich froh das mein Magen sich wider beruhigt hat 🙂

Es ist ein Wochenende voller Geburtstage und mehr Partys als wir besuchen können, denn egal wie groß ein Hinterteil auch ist, man kann trotzdem nicht auf mehr als einer Hochzeit tanzen. So gehen wir heute Abend zum 50ten einer alten Kollegin und Freundin, wobei wir uns bestimmt schon 10 Jahre nicht mehr gesehen habe, aber ich freue mich, das sie mich bei diesem Ereignis dabei haben möchte. Für mich fühlt es sich seltsam an, denn ich wusste zwar das sie etwas älter ist als ich, aber in meinem Kopf waren wir immer ein Jahrgang. Das sie jetzt ihren 50ten feiert, hat mich ein bisschen geschockt, weil mir das sehr deutlich vor Augen hält, das die Zeit nicht stehen bleibt.

In meinem Kopf bin ich an den meisten Tagen ungefähr 25 Jahre alt. Es gibt natürlich auch Tage, an denen ich maximal 12 Jahre oder aber auch schon 80 Jahre alt bin, aber überwiegend fühle ich mich jung und ich meine wirklich jung.

Ich trage z.B. immer noch sehr gerne Zöpfe, habe aber durchaus Angst, dass ich damit lächerlich aussehen könnte, ohne es zu merken. Der Liebste hat also den Auftrag das genau zu beobachten und rechtzeitig bescheid zu sagen, wenn das nicht mehr OK aussieht. Allerdings bin ich etwas besorgt, ob er dass, verliebt wie er Gott sei Dank in mich ist, überhaupt realistisch beurteilen kann 🙂

Es ist ungerecht, dass die Zeit so schnell vergeht, gerade wenn man lernt das Leben besser anzugehen, ist es gefühlt schon fast vorbei. Ich dachte, dass wenn ich erwachsen wäre, die Autos fliegen würden. Wie bekannt, tun sie das nicht, dafür können wir aber sogar auf dem Klo ins WWW. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das mein leben bereichert hat, ich befürchte eher, das die Gefahr Hämorriden zu bekommen, dadurch potentiell erhöht wurde.

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Da ich aber glaube, das die Geburtstagslady auch im Kopf maximal 25 Jahre alt ist, dürfte das ein Interessanter Abend werden… 😉

3 Kommentare zu “Der Wal, die Mutprobe oder die Zeit steht nicht still! ☺

  1. Ja ja die Zeit, um so älter man wird um so schneller scheint sie zu vergehen. Vielleicht sollten wir uns mit Lichtgeschwindigkeit bewegen, laut Einstein müsste die Zeit dann langsamer vergehen *g*….zumindest für uns hehehe.
    Das mit dem Kochen und älter werden ist ein übergreifendes Phänomen, der beste Mann der Welt tut mir jetzt schon leid, weil er meine Kochkünste ja liebt, einzige Hoffnung ist dass seine Geschmacksnerven auch nachlassen, denn angeblich soll das ja jedem passieren 🙂 Ob meiner Mutter aufgefallen ist, dass ich bei ihrem Kartoffelsalat mit Maggi nachhelfe? Oder meine offiziell ab 22.08.14 Schwägerin schon gemerkt hat, dass ich ihre Nudeln mit Salz nachwürze? *g* Ok meine Schwägerin ist noch nicht so alt aber sie hat hier und da Probleme mit ihren Kochkünsten, mein Bruder wird sie trotzdem heiraten, ist das nicht süss? Manchmal, da hast Du recht, muss man seinen Mund halten. So für heute wars das schon, ich werde gleich spontan zu meinem Bruder fahren und meine Ideen zur Hochzeit unterbreiten 🙂

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