Der Wal, der Suppenkaspar, eine gewonnene Wette oder warum der Weg zu Erkenntnis manchmal recht kurz ist! ☺

Als ich klein war und bei meiner Großmama lebte, bekam ich jeden Abend eine Geschichte vorgelesen. Mal etwas von Enid Blyton, Astrid Lindgren oder Märchen. Eines meiner Lieblingsmärchen war immer „Der Suppenkaspar“ von Heinrich Hoffmann.

Damals wie heute, wollte ich Lieblingsgeschichten immer und immer wieder hören, aber langsam schwant mir, das man etwas Hundert mal hören kann, und trotzdem nicht versteht worum es geht.

Heute Morgen musste ich an den Suppenkaspar denken und hab die Geschichte noch mal gelesen und dabei festgestellt, dass sie eigentlich nur furchtbar traurig ist. Wahrscheinlich mochte ich sie früher nur, weil meine Großmama sie so wunderbar erzählt hat.

Alle Geschichten von Hoffmann haben ja einen erzieherischen Hintergrund und die Moral der Geschichte vom Suppenkaspar ist die, dass wenn man nicht immer brav den Teller aufisst, wird man verhungern und sterben. Vielleicht ist das auch ein Grund warum es so viele Übergewichtige gibt. Wir essen immer unseren Teller auf und am besten noch einen Hinterher, damit wir auch wirklich auf gar keinen Fall verhungern 🙂

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Heinrich Hoffmann die Kohlsuppen Diät nicht kannte, denn sonst wäre aus dem Suppenkaspar ein ganz andere Geschichte geworden, nämlich die über ein Kind mit Magenproblemen, Durchfall und einer manifestierten Abneigung gegen Kohl!

Ihr ahnt sicher worauf das hier hinausläuft. Ich kann diese Challange nicht durchziehen, bzw. muss mich nach nur einem Tag geschlagen geben.

Als ich heute Morgen in die Küche gegangen bin und die Suppe nur gerochen habe, hat sich mir der Magen umgedreht. Ich hätte sie heute nicht für Geld und gute Worte essen können und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich überhaupt nie wieder eine Kohlsuppe essen werde! In gewisser Weise ist mein Selbstversuch also gelungen, denn ich wollte wissen, ob es machbar ist und wie man sich dabei fühlt.

Hier also meine Erkenntnisse: Ich habe mich beschissen gefühlt, das Zeug schmeckt zum Kotzen und für mich persönlich ist es absolut nicht machbar!

Es ist mir ein Rätsel, wie andere Menschen das eine Woche durchhalten. Ich dachte, das ich in den letzten Monaten mir und der Welt bewiesen hätte, das ich über jede Menge Willenskraft verfüge. Aber das allein reicht im Fall der Kohlsuppen Diät nicht, ich müsste mir zusätzlich auch noch meinen Geruchs- und Geschmackssinn verätzen lassen und selbst dann bin ich mir nicht sicher, ob ich noch einen weiteren Löffel von dem Zeug runter bekommen hätte.

Glaubt mir, dass ich hier zugebe, das ich meine groß angekündigte Challange nach nur einem Tag abbreche, beweist ziemlich deutlich wie unfassbar schlimm ich diese Suppe finde. Ich habe einen sehr ausgeprägten Spiel- und Wettkampftrieb und ich will auch immer gewinnen, sogar wenn es nur gegen mich selbst ist. Wenn dem nicht so wäre, hätte ich das mit dem Sport in den ersten Wochen nie durchhalten können!

Meine Gefühlslage ist gerade sehr gemischt, denn einerseits bin ich stolz auf mich, das ich mittlerweile vernünftig genug bin, ein „Spiel“ aufzugeben, wenn ich nicht mehr kann.

Das war nicht immer so und ich habe sicher mehr als einmal etwas verrücktes getan, einfach um zu beweisen, das ich es kann.

Um nur ein Beispiel zu benennen, folgende Anekdote aus meinem Berufsleben.

Im Jahr 1999 hab ich, damals noch als Produktionsassistentin, einen Spielfilm fürs ZDF gedreht. Die Hauptdarsteller waren unter anderem Jan Josef Liefers und Anna Loos. Ein Großteil der Dreharbeiten fand in einem zauberhaften Örtchen an der Mosel statt. Wir wohnten alle in kleinen Pensionen und Hotels im ganzen Dorf verteilt. Jan Josef und Anna wohnten in einem schnuckeligen kleinen Hotel direkt an der Mosel, dessen Terrasse nur wenige Schritte vom Fluss Ufer entfernt lag.

Es war eine harmonische Produktion und weil wir uns alle gut verstanden, verabredeten wir uns an einem Drehfreien Tag, zum gemeinsamen Brunch in diesem Kleinen Hotel am Moselufer. Ich war damals schon nicht gerade zierlich wenn auch deutlich schmaler als Heute, dafür aber mit einem großen Appetit gesegnet. So schaufelte ich mir an jenem Morgen auf der sonnigen Terrasse, eine riesige Portion Rühreier mit Pfifferlingen rein, als Jan Josef liebevoll darüber spottete, das ich futtern würde wie ein Leistungssportler. Ich bin ja nie verlegen um eine kecke Antwort und so erwiderte ich, dass ich vielleicht nicht sportlich aussehen würde, aber eine begnadete Schwimmerin wäre.

Hab ich schon mal erwähnt, das ich gerne rede und dann Denke? Das ist aber noch nicht das schlimmste, denn das eigentliche Problem liegt darin, das ich nicht weiß wann es besser wäre den Rückzug anzutreten. Erschwerend kommt hinzu, dass ich immer gerne das letzte Wort habe. Am Ende des Tages ist eben auch ein verbaler Schlagabtausch ein Spiel, das es zu gewinnen gilt. Lange rede gar kein Sinn, ich hab frech behauptet, dass ich ohne Probleme durch die Mosel ans andere Ufer schwimmen könnte.

Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie ein gut gelaunte Gruppe lustiger Menschen, auf solche Aussagen, getroffen von einer Person mit meinem körperlichen Erscheinungsbild, reagiert hat? Richtig, mit Gelächter!

Wie gesagt, ich weiß nicht immer wann es klug wäre, den Rückzug anzutreten, darum wollte ich dann auch unbedingt wetten und Jan Josef, auch etwas durchgeknallt, ließ sich sofort darauf ein. Wir wetteten um eine Kiste Champus.

Darum sprang ich auch flott auf, hüpfte runter zum Ufer welches ca. 15 Schritte entfernt war, sog mir das Kleid über den Kopf und sprang in BH und Höschen in die Mosel, bevor irgendjemand mich aufhalten konnte. Da ich hier sitze und diese Geschichte für Euch aufschreibe, könnt Ihr Euch denken, das ich überlebt habe, und nicht nur das, ich habe auch die Wette gewonnen, denn ich bin auf die andere Seite geschwommen. Allerdings war das sicher eine meiner dümmsten Aktionen EVER, denn ich hatte auf dem Weg rüber auf die andere Seite mehr als einmal Todesangst. Weder hatte ich über die Stärke der Strömungen nachgedacht, noch darüber wie Kalt das Wasser in der Flussmitte ist. Darum saß ich dann auch, ca. 5 KM entfernt von meiner Ursprungsposition, halbnackt und frierend am Flussufer neben einer stark befahrenen Straße auf der falschen Seite der Mosel, und wartete darauf das mich einer der Kollegen abholte. Das war eine Verdammt lange Viertelstunde!

Ich hoffe Ihr versteht jetzt, warum ich mich darüber freue, das ich heute vernünftiger bin und mir schneller eingestehen kann, was ich kann und was nicht!

Andrerseits bin ich fassungslos, das ich so ein Weichei bin und gerade mal einen Tag Kohlsuppe ausgehalten habe. Ich verfluche auch das „Ehrliche Tagebuch“ ein bisschen, denn es hat starken Einfluss auf mein Gewissen. Ich wollte eigentlich erst morgen zugeben, dass ich das mit der Kohlsuppe nicht durchziehen kann. Einfach weil es meinen Stolz empfindlich verletzt, das ich nur knapp 24 Stunden durchgehalten habe.

Immer wieder stelle ich fest, wie hart es ist ehrlich zu Euch und zu mir selbst zu sein! Aber auch wenn ich nicht konsequent in Sachen Kohlsuppen Diät sein kann, so kann ich aber in meinem „ehrlichen Tagebuch“ Konsequent ehrlich berichten.

Manchmal braucht es nicht lang um den Weg zur Erkenntnis zu finden. Mal reicht es durch die Mosel zu schwimmen um zu wissen, das man keine Leistungsschwimmerin ist und ein andermal braucht es nur einen Tag mit Kohlsuppe um zu erkennen, das diese Form von Diät in jeder Beziehung Schwachsinn ist!

Das heißt aber übrigens nicht, dass ich die Selbstversuche nicht weiter ausprobiere, denn das werde ich, aber erst ab nächsten Montag. Jetzt will ich erst mal zu meiner gewohnten Ernährung zurück, denn der Tag Kotzsuppe, wie ich sie ab jetzt nennen werde, hat mich bis ins Mark erschüttert 🙂

 

Aber hoffentlich macht Ihr Euch jetzt weniger Sorgen, denn Ihr jetzt wisst ja jetzt, das ich weiß wann es an der Zeit ist, aufzuhören… 😉

 

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6 Kommentare zu “Der Wal, der Suppenkaspar, eine gewonnene Wette oder warum der Weg zu Erkenntnis manchmal recht kurz ist! ☺

  1. Hahahaha danke hast mich wieder gut zum Lachen gebracht. Wollte eigentlich gestern Abend schon kommentieren aber der beste Mann der Welt hatte spontan den Couchkuschelabendeinfall und Couchkuschelabende mit Krauleinheiten sind für mich wie Moncherie, wer kann dazu schon nein sagen *g*.
    Schön dass es jetzt jemand gibt der versteht warum ich Kohlsuppe, Kotzsuppe ist übrigens passend *g*, mein Leben lang nicht mehr essen werde. Da Du ja ein gutes Kind bist und gezeigt hast dass Du wirklich vernünftig damit umgehst bin ich mal gespannt welche Diäten Du wohl noch probieren wirst und welche Erkenntnisse Du daraus ziehst hehehe, ich ahne es aber schon *g*. Ich hab das Gefühl ich habe in meinem Leben so ziemlich jede Diät ausprobiert und muss zugeben ich habe nicht eine die ganze Woche durchgehalten. Ich habe sehr viel über Ernährung gelernt und sollte eigentlich wissen wie man Gesund abnimmt, aber anscheinend ist der Geist willig und das Fleisch schwach, das ist wohl auch der Grund warum ich es nicht schaffe mit dem Rauchen aufzuhören, obwohl da ist wohl eher der Geist schwach. Hey aber ich habe hier noch eine ganz tolle Ausrede: sich gesund zu ernähren ist teuer. Grade jetzt wo sich mein „Einkommen“ doch sehr verkleinert hat wird mir das immer wieder beim Einkaufen bewusst. Ich rede nicht von sogenannten „Diät“- oder „Light“-Produkten, von denen halte ich sowieso nichts. Wenn Du nicht jeden Tag das selbe Obst oder Gemüse essen willst darfst Du ganz schön tief in die Tasche greifen oder schau Dir mal die fettreduzierte Sahne an, selbst im Angebot fast doppelt so teuer wie herkömmliche Sahne. Pute und Hähnchen geht grade noch so,ein bisschen teurer und verschmerzbar aber wer will jeden Tag Geflügel, hier kommen wir zu Fisch und Rind, im Moment für mich fast unbezahlbar, da freut man sich ja fast dass die Lasagne Pferdefleisch enthielt. Ich weiss gar nicht warum ich das hier schreibe, oder doch ich musste das mal rauslassen *g*.
    Zu sich selbst ehrlich zu sein ist wohl das schwierigste was es gibt und dann das auch noch zuzugeben, Du kannst wirklich stolz auf Dich sein!!! Ich denke der Mensch über den man sich insgeheim am meisten ärgert ist über sich selbst 🙂

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    • Liebe Petra, ich fange an auf Deine Kommentare zu warten, weil ich hier auf meiner Seite des Bildschirms, auch immer sehr krass lachen muss! Du solltest auch bloggen! 🙂 Gesunde Ernährung teuer? Oooohhhhh Ja! Der Liebste und ich haben entschieden, das wir diesen Monat mal genau festhalten, wie viel wir für Lebensmittel ausgeben, weil wir auch das Gefühl haben, das es recht viel ist. Hat schon seine Gründe, das die Amis mit dem Junkfood soviel Umsatz machen. ist billig, macht aber eben Dick. In den Staaten normal einzukaufen um zu kochen, ist fast dreimal so teuer wie in einer Fastfood Kette einkaufen zu gehen. Ich bin immer wieder erschüttert, wie viele Familien Abend in einem Laden wie MC Donalds , Burgerking oder Kentucky sitzen. Das ist dann auch keine Familienausflug, sondern schlicht Abendessen 😦
      So, jetzt gehe ich und lasse mich ebenfalls kraulen 🙂
      Liebe Grüße

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      • Liebe Debby,
        es freut mich, dass Dir meine Kommentare gefallen und dass ich Dich zum Lachen bringen kann. Ich habe tatsächlich einen Blog angefangen allerdings habe ich erst 3 Seiten, irgendwie bin ich nicht so fleissig wie Du. Es liegt nicht an den Geschichten, die mir im Kopf rumschwirren, eher daran wie ich sie zu „Papier“ bringen soll. Ich habe mir als Leseopfer meinen zukünftigen Schwiegersohn geschnappt und er hat sie als gut befunden und behauptet er würde sich schon auf den nächsten freuen, allerdings kann man ihm glauben? Manche Männer tun doch alles um sich mit der Schwiegermutter gut zu stellen *g*. Ich möchte die Leute zum Schmunzeln oder Lachen bringen und hier und da zum Nachdenken.
        Ich hatte gestern viele Termine, so wie auch heute, daher nur kurzfassend 🙂
        Aber zum Abschluss möchte ich Dir noch sagen, dass Dein Blog etwas ist über das ich jeden Tag etwas habe worauf ich warte und mich freuen kann, ausserdem hatte ich noch nie einen so sauberen Monitor, da ich ihn jetzt schon mehrfach putzen musste, da aus irgendwelchen merkwürdigen Gründen öfters Kaffee auf ihm landet. Wie ich in meinem Blog bei der Einführung erwähnt habe (habe Dich und Deine Seite erwähnt, hoffe das ist ok) ist der beste Mann der Welt am Überlegen mir eine Plastikfolie über den Monitor zu spannen hahahaha.
        Liebe Grüße

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      • Du schreibst also einen Blog und erzählst das nicht mal von alleine. Warum nicht? Wäre ich nicht der optimale Probeleser? Ich habe gar keinen Zweifel daran, das Du wunderbar und sehr witzig schreibst, ich lese ja mittlerweile fast täglich etwas von Dir, warum also so schüchtern? Wo also kann ich das dann alles lesen? Der zukünftige Schwiegersohn, was für ein Druck, wobei ich sicher bin, das er meint was er sagt. Ich muss trotzdem lachen, weil es mich an die Anfänge mit dem Liebsten erinnert und er so einiges über sich hat ergehen lassen, um dasHerz meiner Mutter zu erobern 🙂
        Ich freue mich, das Du Dich jeden Tag auf meinen Blog freust, denn genau das motiviert mich immer zu schreiben, auch wen ich mich gerade mal Faul fühle. Wobei ich Dir direkt sagen, mit einem Deutschen WM Spiel wird es heute Nachmittag ein kurzer Eintrag werden 🙂
        Also: ICH WILL DEINEN BLOG LESEN!
        So, ich geh jetzt mal zum Sport!

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      • Ummmm wie mache ich das, mir geht es hier so ähnlich wie Dir bei wordpress. Wie schon gesagt habe erst 3 Seiten aber habe mir fest vorgenommen am Wochende noch was zu schreiben. Laut meinem zukünftigen Schwiegersohn hat er zumindest geschmunzelt *g* und das obwohl er die kleine Geschichte die ich schrieb ja schon kannte. Täglich schreiben werde ich nicht schaffen ab nächste Woche erst mal sowieso nicht mehr ich habe nämlich tolle Neuigkeiten. Mich hat eben die Reha angerufen, da ist wohl jemand abgesprungen und ich darf Dienstag schon anfangen.
        So jetzt lese ich erstmal was Du wieder köstliches gestern geschrieben hast, bin gestern Abend erst spät heimgekommen 🙂

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